Spanien & Portugal – Sommer 2009– 3 Länder – 6650 km

Nachdem ich die letzten paar Jahre Osteuropa bereist hatte, wollte ich wieder einmal in eine andere Richtung fahren. Kommt dazu, dass es während meiner letzten Reise eher zu kühl und zu nass war und die Chance, trockenes und warmes Wetter zu finden in Spanien und Portugal doch um einiges grösser ist als in Skandinavien oder in Russland….

 

1. Tag: Freiburg/CH – Bergerac/F, 727 km

Für diese erste Etappe hatte ich beschlossen, mehrheitlich Nebenstrassen zu benutzen. Nachdem ich die Schweiz bei Vallorbe verlasse, fahre ich auf routes départementales durch kleine Dörfer, nur ab und zu geht es für ein paar Kilometer auf eine route nationale. Trotz wenig Verkehr dauert es gute zwölf Stunden, bis ich in Bergerac an der Dordogne ankomme. Nach dem Nachtessen gehe ich früh schlafen, die Stadtbestichtigung verschiebe ich auf den nächsten Morgen.

Die Dordogne in Bergerac/F

Cyrano de Bergerac

Café in Bergerac/F

2. Tag: Bergerac/F – Santander/E, 560 km

Nach einem Spaziergang am Fluss Dordogne und im Zentrum von Bergerac geht es weiter über Biarritz zur spanischen Grenze. Von einer Grenze ist zum Glück nichts mehr zu sehen und so bin ich schnell auf kleinen Nebenstrassen in baskischen Bergland. Das Wetter ist angenehm, nicht zu heiss und strahlend blauer Himmel. Kurz nach Bilbao wird die Hauptstrasse zur Autobahn und so fahre ich der Atlantikküste entlang bis nach Santander, der Hauptstadt Kantabriens. Das Wetter ist kühler und ein bisschen neblig geworden, was für die Nordküste Spaniens nichts aussergewöhnliches ist. Das Klima erinnert hier eher an Schottland oder Irland, die Landschaft übrigens auch. In Santander hat es erstaunlich viele, zumeist spanische Touristen, obwohl die Stadt aus meiner Sicht nicht sehr viel zu bieten hat. Aber vielleicht ist auch nur das graue Wetter schuld an diesem Eindruck…

Strasse im Baskenland/E

Küste in Nordspanien

Uferpromenade in Santander/E

3. Tag: Santander/E – Santiago de Compostela/E, 504 km

Auf einer fast leeren Autobahn (es ist Sonntag) geht es weiter in Richtung Westen. Das Wetter ist weiterhin grau, ab und zu nieselt es ein bisschen. Aber zu wenig, um die Regenkombi hervorzunehmen. Später wechsle ich auf kleine Nebenstrassen und bis ich in Santiago de Compostela eintreffe, ist das Wetter wieder sonnig. Schon vor Ankunft in der Stadt sehe ich zahlreiche Pilger die auf dem Weg zur Kathedrale sind. In der Stadt sind sehr viele Leute unterwegs, viele Pilger und auch ganze Busladungen voller ausländischer Touristen. Die Kathedrale ist eindrücklich und auch die Altstadt ist sehenswert.

Wenig befahrene Autobahn in Kantabrien/E

Unterwegs in Nordspanien

Kathedrale von Santiago de Compostela/E

In der Altstadt von Santiago de Compostela/E

4. Tag: Santiago de Compostela/E – Braga/P, 205 km

Am Vormittag geht die Fahrt bei strahlendem Sonnenschein über Pontevedra und dann der Küste entlang nach Vigo weiter in Richtung Süden. Hier ist die Küste wild und wenig verbaut, ganz im Gegensatz zur Mittelmeerküste. Ausser ein paar Sandbuchten hat es aber wenig Strände und das Wasser ist auch im Sommer recht kühl. Bei Tui am Rio Miño verlasse ich Spanien. Kurz vor der Grenze tanke ich noch einmal voll, denn das Benzin ist in Spanien bedeutend günstiger. Auf kleinen Nebenstrasse fahre ich bis Braga, der ersten grösseren Stadt in Nordportugal. Ich hatte eigentlich nicht vorgesehen hier zu übernachten, aber die Stadt gefällt mir gut und es findet gerade ein grosses Fest statt. Nach Ankunft besichtige ich noch die Wallfahrtskirche von Bom Jesus do Monte mit ihrer eindrücklichen Treppen. Sie ist auf einem kleinen Hügel gelegen und von hier hat man einen herrlichen Blick über die ganze Gegend von Braga.

 

Wilde Küste in Nordspanien

Einreise nach Portugal

Bom Jesus do Monte bei Braga/P

Im Zentrum von Braga/P

 

Portugiesische Delikatessen

5. Tag: Braga/P – Porto/P, 357 km

Die heutige Etappe führt mich weiter nach Porto. Eigentlich wäre es von Braga ein Katzensprung, aber ich wähle die landschaftlich wunderschöne Route durch das Dourotal. Also fahre ich zuerst bis Peso da Régua, um dann dem Douro entlang nach Porto zurückzufahren. Es sind kleine Strässchen mit unzählichen Kurven und wenig Verkehr, aber irgendeinmal bin ich doch froh, in Porto anzukommen. Am Abend reicht es noch für ein Stadtbesichtigung, angefangen mit den berühmten Schiffen mit den Portweinfässern im Hafen.

Unterwegs nach Porto

Dourotal/P

 

Am Douro in Porto/P

Am Hafen von Porto/P

In Porto/P

6. Tag: Porto/P – Setubal/P, 495 km

Heute gibt es die längste Etappe in Portugal. Zuerst geht es ein Stück weit auf der Autobahn bis Coimbra. Die alte Universitätsstadt ist eine der schönsten Ortschaften Portugals und so verbringe ich ein paar Stunden mit der Besichtigung. Nach dem Mittagessen geht es diesmal über kleinere Strassen weiter bis Fatima und dann wieder zur Atlantikküste nach Nazaré. Die Felsklippen sind spektakulär und die zahlreichen Sandbuchten sind menschenleer. Unterwegs besichtige ich noch das Kloster von Batalha, ein riesiger Bau aus dem 14. bis 16. Jahrhundert der zum Dank für den Sieg Portugals über das Königreich Kastilien im Laufe von circa 150 Jahren errichtet wurde. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich Sintra, wo es noch knapp für ein paar Fotos reicht. In Lissabon halte ich nicht an da ich die Stadt schon früher ein paarmal besucht hatte und fahre gleich weiter nach Setúbal. Als ich dort ankomme ist es schon dunkel und zum ersten Mal auf dieser Reise finde ich nicht auf Anhieb ein Hotelzimmer. Beim zweiten Versuch klappt es dann, es ist aber immer noch sehr heiss und trotz der langen Fahrt habe ich Mühe mit Einschlafen.

Coimbra/P

Strand in Nazaré/P

Wilde Küste in Portugal

Mosteiro da Batalha/P

Sintra/P

In der Nähe von Lissabon

Unterwegs in Südportugal

7. Tag: Setubal/P – Faro/P, 380 km

Die erste Zwischenstation auf dem Weg in die Algarve ist die Stadt Evora. Die Landschaft ist sehr trocken und dünn besiedelt. Auf Dächern und Strommasten sieht man zahlreiche „bewohnte“ Storchennester. Ich fahre weiter südlich über Beja und dann über die N2 nach Faro. Dies ist die beste Motorradstrecke die ich in Portugal befahren habe, super schöne Landschaften, viele enge Kurven und fast kein Verkehr. Nachdem ich in Faro im Hotel eingecheckt habe fahre ich direkt zum Strand, wo ich mich von den Strapazen der letzen Tage erhole. Obwohl die Lufttemperatur Ende Nachmittag noch um die 30° beträgt, ist das Wasser mit höchstens 18° doch recht kühl.

Alte Häuser in Evora/P

8. Tag: Faro/P

Dies wird der einzige Tag ohne Motorrad auf dieser Reise, abgesehen von der kurzen Strecke in die Stadt und bis zum Strand. Es ist noch Vorsaison und die Strände sind fast menschenleer, auch in der Stadt sind nur wenige Touristen unterwegs. Faro hat einiges zu bieten, aber die meisten Touristen die mit dem Flugzeug ankommen fahren gleich weiter nach Albufeira, Portimao oder Lagos.

Am Strand von Faro/P

Faro/P, Stadttor mit Störchen

Kirche in Faro/P

9. Tag: Faro/P – Tarifa/E, 465 km

Dies ist mein letzter Tag in Portugal auf dieser Reise. Kurz vor der Grenze zu Spanien besuche ich noch das schöne Städtchen Tavira. Dann geht es weiter östlich auf die Autobahn in Richtung Sevilla. Die Hitze ist extrem, gegen Mittag sind es knappe 40°. Ich verzichte auf den Besuch von Sevilla und fahre gleich weiter in Richtung Jerez de la Frontera und Cadiz. Aber auch hier ist es mir zu heiss für einen Stadtbesuch und ich beschliesse, bis zur Südspitze von Spanien zu fahren. Auf kleinen Strassen geht es weiter und ich treffe am späteren Nachmittag in Tarifa ein. Die Ortschaft liegt nur 14 km von der Marokkanischen Küste entfernt, mit dem Schnellboot sind es 35 Minuten bis Tanger. Leider habe ich meinen Pass nicht dabei und muss auf den Abstecher nach Afrika verzichten. Dank idealer Windkonditionen ist Tarifa als Surferparadies bekannt und auch am Abend ist einiges los.

Tavira/P

Am Strand von Tarifa/E

Stadttor in Tarifa/E

10. Tag: Tarifa/E – Malaga/E, 259 km

Der erste Halt auf der heutigen Strecke ist in Algeciras, einer wichtigen Hafenstadt in Südspanien. Dann geht es weiter nach Gibraltar, der imposante Felsen ist schon von weitem sichtbar. Es ist Sonntag und viele Spanier fahren in die britische Kolonie um billigen Alkohol zu kaufen. Die Stadt selber hat nicht sehr viel zu bieten, aber die Sicht vom Felsen ist imposant: unzählige riesige Tanker und andere Handelsschiffe, und auf der anderen Seite des Meeres die Küste von Marokko. Beim Spazieren in Gibraltar merke ich plötzlich, dass mein Rucksack fehlt. Es ist nichts sehr kostbares drin, aber der Verlust der Speicherkarten mit den Fotos des ersten Teiles der Reise würde mich sehr ärgern. Ich erinnere mich, dass ich kurz nach Tarifa beim frühstücken den Rucksack abgestellt hatte, also fahre ich dorthin zurück und zum Glück, er ist noch da. Die Fahrt geht weiter nach Marbella und Fuengirola in Richtung Malaga. Die ganze Küste ist stark überbaut und auch der Verkehr ist ziemlich stressig. Zuerst fahre ich auf kleineren Strassen der Küste entlang, aber nach der fünfzigsten Ampel und dem hundersten Kreisel habe ich genug und gehe auf die Autobahn. Am späteren Nachmittag treffe ich in Malaga ein.

Am Felsen von Gibraltar/GBZ

Leuchtturm in Gibraltar/GBZ

Marbella/E

Fussgängerzone in Malaga/E

Im Zentrum von Malaga/E

11. Tag: Malaga/E – Granada/E, 303 km

Nachdem ich seit einer guten Woche meistens am Meer entlang gefahren bin, geht es heute ins Landesinnere. Von Malaga fahre ich über kleine Bergstrassen bis nach Ronda. Die Stadt ist von Touristen überschwemmt, aber dank seiner spektakulären Schluchten und Brücken dennoch absolut sehenswert. Die nächste Station ist Antequera, bevor ich am späteren Nachmittag in Granada eintreffe. Nachdem ich im Hotel eingecheckt habe mache ich mich auf den Weg um die berühmte Alhambra zu besichtigen. Als ich eintreffe ist die Anlage leider schon zu, am Montag wird früher geschlossen. Also mache ich noch einen Spaziergang in der Altstadt, aber die Hitze und die vielen Stunden unterwegs machen sich bemerkbar und ich beschliesse, den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten auf eine nächste Reise zu verschieben.

Andalusisches Bergdorf/E

Bergstrasse in die Sierra Nevada/E

Häuser und Schlucht in Ronda/E

Kirche in Ronda/E

 

12. Tag: Granada/E – Alicante/E, 545 km

Auf dem heutigen Programm steht zuerst die Besichtigung von Guadix, einer erstaunlichen kleinen Ortschaft mit zahlreichen Höhlenwohnungen. Im Gegensatz zu Ronda sind aber hier praktisch keine Touristen zu sehen. Anschliessend geht es in die Berge: eine gut ausgebaute Passstrasse führt mich über die Sierra Nevada nach Puerto de la Ragua auf 2000 Meter. Es ist angenehm, für ein paar Stunden der Hitze zu entfliehen. Auf Nebenstrecken geht es wieder zurück ins Flachland und in Richtung Mittelmeer. Gegen Abend treffe ich in Alicante ein, wo gerade ein grosses Fest mit Umzug stattfindet.

Höhlenwohnungen in Guadix/E

Burg in Andalusien/E

Kühle Temperaturen in den Wäldern der Sierra Nevada

Hitze in der Wüste von Tabernas/E

Fiesta in Alicante/E

13. Tag: Alicante/E – Valencia/E, 212 km

Heute gibt es nur eine kurze Etappe. Ich fahre entlang der stark bebauten Costa Blanca über Benidorm und Gandia bis nach Valencia, wo ich im Gegensatz zu den vergangenen Tagen schon am frühen Nachmittag eintreffe. Ich profitiere, um mich am Strand auzuruhen und als sich die Temperaturen ein bisschen abgekühlt haben besichtige ich das Zentrum. Mit über 800’000 Einwohnern ist Valencia die drittgrösste Stadt Spaniens und sie hat für Besucher viel zu bieten.

An der Costa Blanca/E

Futuristische Architektur inValencia/E

Arena von Valencia/E

Valencia/E

14. Tag: Valencia/E – Barcelona/E, 366 km

Auch die heutige Strecke führt mich dem Mittelmeer entlang in Richtung Nordosten. Von der flachen Costa Blanca geht die Landschaft über in die rauhere und felsigere Costa Brava mit ihren zahlreichen Buchten. Mein Hotel für diese Nacht befindet sich in Castelldefels, südlich von Barcelona. Gegen Abend wird es gewitterhaft, aber ich wage noch einen Abstecher ins Zentrum von Barcelona. Als ich wieder im Hotel zurück bin fängt es an zu regnen, zum ersten und einzigen Mal auf dieser Reise.

Costa Brava/E

Am Hafen von Barcelona/E

 

15. Tag: Barcelona/E – Montpellier/F, 420 km

Für den letzten Teil meiner Spanienreise wähle ich die Autobahn, die ich kurz nach der französischen Grenze verlasse. Ich fahre der Küste entlang über Argelès-Plage und St. Cyprien und verbringe den Nachmittag am Strand. Gegen Abend fahre ich auf Nebenstrecken über Narbonne und Béziers bis Montpellier für die letzte Hotelübernachtung auf dieser Reise.

Strand bei Perpignan/F

In der Nähe von Montpellier

16. Tag: Montpellier/F – Freiburg/CH, 650 km

Bevor ich die Rückreise antrete will ich noch einmal von den feinen Sandstränden profitieren und fahre nach Port-Camarague. Der Strand von Le Grau du Roi ist 18 km lang und einer der schönsten den ich auf dieser Reise gesehen habe. Gegen Mittag wird es extrem heiss und ich mache mich auf den Weg nach Hause. Auf kleine Nebenstrassen habe ich jetzt keine Lust mehr, ich fahre kurz vor Nîmes auf die Autobahn und verlasse sie erst wieder in Freiburg wo ich gegen halb elf Uhr Abends eintreffe.

Ein paar Zahlen (alle gemäss GPS):

Total gefahrene Kilometer: 6650
Reine Fahrzeit: 98 Stunden 38 Minuten
Durchschnittsgeschwindigkeit: 53.5 KM/H