Rumänien / Republik Moldau – Sommer 2012 – 5 Länder – 3800 km (+ 1250 km Autozug)

1. Tag: Freiburg/CH – Feldkirch – Wien

Am ersten Tag wird noch nicht viel gefahren. Nach ca. drei Stunden treffe ich in Feldkirch ein. Der Autozug nach Wien fährt um 22:24 ab, und nachdem ich das Motorrad aufgeladen habe, mache ich mich bereit für die Nacht im Schlafwagen. Mit dem Einschlafen happert es noch ein bisschen, aber irgendeinmal klappt es doch noch.

Auf dem Autozug nach Wien

2. Tag und 3. Tag: Wien

Mehr oder weniger ausgeschlafen treffe ich kurz nach sieben Uhr morgens im Wiener Westbahnhof ein. Ich spaziere ein bisschen in der Stadt und beziehe dann ein Zimmer im Hotel Ibis Messe. Das Wetter ist schön und am Nachmittag gehe ich in die Donau baden. Auch am nächsten Tag ist Baden und Faulenzen angesagt, die nächsten Tage werden wieder anstrengender sein…

4. Tag: Wien – Timisoara/RO

Der grösste Teil der heutigen Strecke ist Autobahn. Es ist Sonntag und es hat ziemlich wenig Verkehr. An der ungarischen Grenze kaufe ich die Autobahnvignette und komme über Budapest und Szeged gut vorwärts. Die rumänische Grenze überquere ich bei Sannicolau Mare und treffe am späteren Nachmittag in Timisoara ein. Da ich die Stadt von früheren Reisen schon kenne, mache ich nur einen kurzen Spaziergang und geniesse das erste rumänische Bier. Mit 32 Grad ist es schon recht heiss, aber nur ein Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

In Sannicolau Mare/RO

Im Zentrum von Timisoara

Orthodoxe Kirche in Timisoara

In der Altstadt von Timisoara

5. Tag: Timisoara/RO – Ramnicu Valcea/RO

Ab jetzt gibt es keine Autobahnen mehr. Auf mehr oder weniger guten Haupt- und Nebenstrassen geht es weiter über Caransebes, Hateg, Petrosani und über die Karpaten nach Brezoi und weiter bis Ramnicu Valcea, wo ich meine rumänischen Freunde Andrei und seine Frau Moniq treffe. Wir verbringen den Abend bei seiner Familie und bereiten die nächste Tagesetappe vor. Sie werden mich während den nächsten Tagen auf ihrer Honda Transalp begleiten.

Brücke in Rumänien

Zu verkaufen… interessiert ?

Bergbach in den Karpaten

Neugierige Schafe

6. Tag: Ramnicu Valcea/RO – Lacu Rosu/RO

Als wir die Stadt verlassen ist der Verkehr auf der Hauptstrasse in Richtung Bukarest sehr dicht. Unzählige Lastwagen quälen sich durch die langezogenen Dörfer. Zum Glück verlassen wir diese Strasse nach ein paar Kilometern und fahren über Nebenstrassen nach Norden. Über Curtea de Arges und Fagaras kommen wir zum schönsten Strecke dieses Tages, dem Transfagarasan- Pass. Hier sind ziemlich viele Autos unterwegs, es ist Ferienzeit in Rumänien. Wir geniessen die kühlen 22 Grad auf der Passhöhe (2042 m), bevor wir in Transsylvanien wieder in die Hitze eintauchen. Dies ist für mich eine der schönsten Gegenden Rumäniens. In den Dörfern scheint die Zeit stillzustehen, Pferdewagen rollen gemächlich über die holprigen Strassen. Weiter geht es über Miercurea Ciuc und Gheorgheni bis zum Tagesziel, Lacu Rosu. Es ist eine beliebte Ausflugsdestination in den Bergen und erst beim dritten Anlauf finden wir noch ein Zimmer.

Transfagarasan

Abfahrt vom Transfagarasan

Dorfstrasse in Transsylvanien

Transsylvanisches Provinzstädtchen

Befestigte Kirche in Transsylvanien

7. Tag: Lacu Rosu/RO – Iasi/RO

Der erste heutige Zwischenhalt ist in Piatra-Neamt. Wir nehmen die Seilbahn, die uns vom Stadtzentrum auf einen nahen Hügel bringt. Nach dem Mittagessen geht es weiter auf Haupt- und Nebenstrassen in Richtung Nordosten. Das Thermometer hat jetzt 36 Grad erreicht und wir sind froh, als wir in Iasi unser Hotel erreichen. Es ist die letzte grosse Stadt vor der Grenze zur Republik Moldau.

Im Zentrum von Piatra Neamt

In der Seilbahn über Piatra Neamt

Statue von Stefan des Grossen

8. Tag: Iasi/RO – Chisinau/MD

Am Morgen fahren wir frühzeit los, um wenigstens am Anfang von den kühleren Morgentemperaturen zu profitieren. Der Verkehr wird immer spärlicher und als wir in Sculeni die Grenze erreichen sind fast keine anderen Fahrzeuge zu sehen. Die Grenzformalitäten werden relativ zügig erledigt, und nach ca. 20 Minuten und Bezahlen einer Umwelttaxe sind wir in der Republik Moldau. Die Landschaft ist flach bis leicht hügelig und hat sich gegenüber Rumänien kaum verändert. Die Strassen sind recht holprig, zum Glück aber praktisch leer. Überall in den Dörfer wo wir durchfahren bleiben Leute stehen und schauen uns erstaunt an. Es kommen keine Touristen hierhin, und schon gar nicht auf Motorrädern.

Die Republik Moldau, auch Moldawien genannt, war bis zum Zusammenbruch der UDSSR ein Teil der Sowjetunion. Die Landessprache ist rumänisch, aber auch heute spielt die russische Sprache eine wichtige Rolle. In Chisinau (dt. Kischinau) steigen wir im Hotel Cosmos ab, einem Betonblock aus Sowjetzeiten. Die Zimmer sind sehr korrekt und glücklicherweise funktioniert die Klimaanlage gut, nur die alten Liftanlagen sind gar nicht vertrauenserweckend. Am Abend essen wir in einem der besten Restaurants gleich um die Ecke; die Preise sind ähnlich wie in Rumänien, für uns also ziemlich günstig.

Kulturpalast in Iasi

Aussicht vom Hotel in Chisinau

9. Tag: Chisinau/MD

Heute verzichten wir auf die hinter dem Hotel gut versorgten Motorrädern und erkunden die Stadt zu Fuss. Wobei erkunden vielleicht etwas übertrieben ist, bei 38 Grad Hitze sind wir bereits nach kurzer Zeit verschwitzt und begnügen uns mit der Hauptstrasse Bulevardul Stefan cel Mare si Sfînt und ein paar schönen Parkanlagen. Der Versuch, uns im Nationalmuseum ein bisschen abzukühlen misslingt, es ist am Freitag geschlossen. Die Stadt hat viele Grünanlagen und ein paar schöne Gebäude und Kirchen, aber sonst keine speziellen Sehenswürdigkeiten. Die jungen Leute sind sehr modisch gekleidet, in den Telekomshops werden die gleichen Smartphones beworben wie bei uns, und auch der Automobilpark ist abgesehen von ein paar alten russischen Fahrzeugen recht modern. Der Lebensstandard scheint in der Hauptstadt viel höher zu sein als auf dem Land. Armut oder bettelnde Kinder haben wir auf jeden Fall nirgends gesehen. Durch die vielen kyrillischen Reklamen und Beschriftungen kommt man sich fast vor wie in einer russischen Provinzstadt.

Im Zentrum von Chisinau

Triumphbogen von Chisinau

Unser Hotel in Chisinau

10. Tag: Chisinau/MD – Dorohoi/RO

Hatte mir in Rumänien mein Garmin GPS immer zuverlässig den Weg gezeigt, kommt mir jetzt das iPhone mit Openstreet Maps sehr entgegen. Wir kommen zügig aus der Stadt und fahren weiter in nördlicher Richtung. Je weiter wir von der Hauptstadt weg sind, desto weniger Verkehr hat es, bis wir die Strasse fast nur für uns haben. Nach etwa zwei Stunden sind wir in Soroca, am Fluss Nistru (Dnister), welcher die Grenze zwischen Moldawien und der Ukraine markiert. Wir besichtigen die mächtige Burg, für einen Spaziergang in der Stadt ist es aber definitiv zu heiss. Also fahren wir weiter auf sehr holprigen Strassen der ukrainischen Grenze entlang. Wir halten an fast jeder Tankstelle, um uns etwas zu erfrischen. Dank meiner rumänischen Freunde erfahren wir bei Gesprächen mit den Leuten einiges über die schwierigen Lebensbedingungen in diesem vergessenen Land.

Nach Otaci, Ocnita und Briceni treffen wir in Lipcani ein, wo wir die Grenze zu Rumänien überqueren wollen. Eine forsche Uniformierte sieht das aber zuerst ganz anders: an diesem Grenzübergang dürften nur Autos passieren, sagt sie. Dies hätte bedeutet, bei der Hitze nochmals ein bis zwei Stunden zum nächsten Grenzposten zu fahren. Nachdem wir die Grenzerin ziemlich resolut auffordern, ihren Vorgesetzten zu fragen klappt es dann doch noch. Die rumänischen Kollegen nehmen es mit Ihrer Kontrolle auch sehr genau, und obwohl weit und breit kein einziges Fahrzeug zu sehen ist dauert das Ganze dennoch eine gute halbe Stunde.

Was kann ich über meinen ersten Besuch in Moldawien sagen ? Ich werde sicher nicht demnächst wieder hinfahren, es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Ein bisschen Sowjetfeeling gleich neben der EU, grosse Kontraste zwischen Moderne und einer belasteten Geschichte machen das Land interessant. Das Reisen ist absolut problemlos, es gibt keine schickanösen Polizeikontrollen wie z.B. in der Ukraine. Der Strassenzustand lässt vielerorts zu wünschen übrig, das wird aber durch den fehlenden Verkehr mehr als kompensiert. Was mir sicher sehr geholfen hat waren meine rumänischen Freunde, die sich in der Landessprache verständigen konnten und so alle eventuellen Sprachbarrieren aus dem Weg räumten.

Wir fahren noch ca. eine Stunde weiter bis Dorohoi, wo wir kurz vor dem Eindunkeln noch eine schöne Pension finden. Die Hitze hat uns wieder einmal ziemlich geschafft, und ein paar rumänische Biere mit dem Nachtessen sind sehr willkommen.

Einfahrt in die Provinz Telenesti

Kleiner Zwischenhalt auf einer moldawischen Strasse

Ankunft in Soroca

Burg in Soroca/MD

Am Grenzfluss zur Ukraine

Sehr wenig Verkehr auf moldawischen Strassen…

Leninstatue im Norden Moldawiens

Moldawische Kirche

 

Unsere Pension in Dorohoi/RO

11. Tag: Dorohoi/RO – Satu Mare/RO

Nach ca. 15 km gemeinsamer Fahrt trennen sich unsere Wege. Andrei und Moniq fahren nach Hause in Richtung Süden und für mich beginnt die lange Rückreise nach Westen. Zuerst gilt es aber noch, die Karpaten zu „überwinden“. Auf recht abenteuerlichen Strassen geht es über Radauti und Sighetu Marmatiei weiter. Es gäbe auch viel direktere und schnellere Möglichkeiten das heutige Tagesziel, Satu Mare, zu erreichen. Ich wähle aber absichtlich Nebenstrassen durch kleine Dörfer mit reich dekorierten Häusern und Kirchen. Am späteren Nachmittag treffe ich in Satu Mare ein und steige im gleichen Hotel ab wie bei meiner letzten Reise. Es ist immer noch sonnig und sehr heiss, aber dunkle Wolken am Horizont lassen einen Wetterumschwung erahnen.

Schön dekorierte Häuser in Nordrumänien

Vor dem Dorfladen

Dorfstrasse in Maramures

 

Kirchen in Nordrumänien

Zwischenhalt in Sighetu Marmatiei/RO

12. Tag: Satu Mare/RO – Wien

Am Morgen erwache ich bei leichtem Regen und 20 Grad weniger als am Vortag. Ich fahre in Richtung der ungarischen Grenze und ca. eine halbe Stunde später ist der Regen schon wieder vorbei. Nach einem Spaziergang und dem Mittagessen in Debrecen geht es auf die Autobahn. Obwohl ich mein GPS auf „schnellste Route“ programmiert hatte, lotst es mich mitten durch Budapest hindurch. Zum Glück ist der Verkehr nur sehr mässig und so komme ich noch in den Genuss einer kurzen Stadtrundfahrt. Am frühen Abend treffe ich in Wien ein und steige wie schon bei der Hinreise im Hotel Ibis ab.

Kirche von Debrecen/H

Im Zentrum von Debrecen/H

Flaches Land in Südungarn

Alter Panzer in Ungarn

13. und 14. Tag: Wien

Zum Abschluss dieser Reise gönne ich mir noch zwei Tage Erholung in Wien. Das Wetter ist recht angenehm, mit 25 bis 30 Grad schon fast kühl im Vergleich mit den vergangenen Tagen. Am späten Abend des zweiten Tages steige ich wieder in den Nachtzug ein.

15. Tag: Wien – Feldkirch – Freiburg

Kurz vor Acht Uhr vormittags treffen wir in Feldkirch ein. Die Temperatur beträgt noch 10 Grad, es regnet in Strömen…. die Ferien sind definitiv vorbei. Während der drei Stunden Autobahn bis Freiburg lässt mich der Regen und die Kälte nicht mehr los, ich vermisse bereits die 38 Grad von Chisinau.

Mein Abteil im Schlafwagen nach Feldkirch

Nasse Ankunft in Feldkirch

Ein paar Zahlen (alle gemäss GPS):

Total gefahrene Kilometer: 3808 (ohne die ca. 1250 km Autozug)
Reine Fahrzeit: 73 Stunden 05 Minuten
Durchschnittsgeschwindigkeit: 52.1 KM/H
Durchschnittsverbrauch: 4.7 L/100 km