Griechenland/Türkei/Albanien- Sommer 2012– 4 Länder – 6700 km

 

1. Tag: Freiburg/CH – Piacenza/IT

Da ich am Vormittag noch arbeite, wird es 15.30 bis ich abfahren kann. Der erste Teil der Strecke bis Martigny verläuft problemlos und mit wenig Verkehr. Dies ändert sich aber, nachdem die Strecke von Martigny zum Grossen St. Bernhard wegen eines Unfalls gesperrt ist. Die Polizei leitet den Verkehr über den Col des Planches um, was eigentlich kein allzu grosser Umweg wäre. Da sich aber die ganze Autokolonne über die enge Passstrasse quält, wird es eine sehr mühsame Angelegenheit. Der Aufstieg zur Passhöhe erfolgt im Schritttempo, da an vielen Stellen nicht gekreuzt werden kann. Auf der Autobahn von Aosta in Richtung Süden geht es aber wieder zügig voran, und gegen 21.30 treffe ich in Piacenza ein.

2. Tag: Piacenza/IT – Ancona/IT – Igoumenitsa/GR

Obwohl eigentlich erst Anfang Juni ist, scheint heute in Italien eine Art Ferienbeginn zu sein. Die ersten paar Kilometer komme ich noch gut vorwärts, es wird aber je südlicher desto mühsamer und der Verkehr steht zeitweise komplett still. Ich mache es den zahlreichen italienischen Motorradfahrern gleich und fahre einfach auf dem Pannenstreifen am Stau vorbei. Südlich von Rimini geht es dann wieder schneller und ich treffe am 11.30 am Check-In Schalter für meine Fähre nach Griechenland ein. Die Europa Palace der Minoan Lines verlässt um 14 Uhr den Hafen von Ancona. Es sind mehrheitlich Lastwagen an Bord, Autos und Motorräder hat es nur wenige.

Im Hafen von Ancona/I

Auf der Fähre

Ausfahrt aus dem Hafen in Igoumenitsa/GR

3. Tag: Igoumenitsa/GR – Alexandroupoli/GR

Gegen 10 Uhr Vormittags treffen wir in Igoumenitsa ein. Da ich die Stadt schon von meiner letzten Reise kenne, fahre ich direkt in Richtung Osten weiter. Ausser zum Essen und zum Tanken halte ich kaum an und dank der super ausgebauten und fast leeren Autobahn bin ich am späteren Nachmittag in Alexandroupoli, ca. 30 km vor der türkischen Grenze. Es ist eine lebhafte kleine Hafenstadt und ich steige im Hotel Erika gleich gegenüber vom Fährterminal ab.

Am Hafen von Alexandroupoli/GR

4. Tag: Alexandroupoli/GR – Bergama/TR

Kurz vor der Grenze wird noch einmal getankt, da das Benzin in der Türkei bedeutend teurer ist als in Griechenland. Die Grenzformalitäten dauern eine gute halbe Stunde, obwohl es sehr wenige andere Fahrzeuge hat. Der erste Halt ist in Gelibolu, wo ich am Bancomat mein erstes türkisches Geld abhebe. Von hier aus nehme ich eine kleine Fähre über die Dardanellen und bin nach einer halben Stunde im asiatischen Teil der Türkei. Dann geht es über Canakkale zuerst der Küste entlang und dann ins Landesinnere in südlicher Richtung weiter, bis ich am Nachmittag am heutigen Tagesziel, Bergama, ankomme. Ich steige im sehr zentral gelegenen Hotel Anil ab, für die Besichtigung der antiken Siedlung von Pergamon bin aber zu müde. Am Abend spaziere ich in der Altstadt und geniesse die türkische Küche.

Landstrasse in der Türkei

Auf der Fähre über die Dardanellen

Containerschiff über die Dardanellen

Ankunft in Asien

Ausblick von Asien nach Europa

Im Zentrum von Bergama/TR

Mein Hotel in Bergama/TR

5. Tag: Bergama/TR – Pamukkale/TR

Beim Anstecken des Ladekabels am GPS passiert mir beim Abfahren ein Missgeschick: ich drücke den Stecker ein bisschen schief ein und die Drähte werden herausgerissen. Mein GPS läuft ab heute nur noch auf dem Akku, und so schalte ich es nur in grösseren Ortschaften oder bei wichtigen Kreuzungen ein. Leider fehlt dadurch ein grosser Teil der Streckenaufzeichnung. Die heutige Strecke führt zu einem der Höhepunkte jeder Türkeireise. Am Morgen fahre ich in östlicher Richtung über Somo und Akhisan bis Pamukkale, wo ich am frühen Nachmittag eintreffe. Nachdem ich eine schöne Pension gefunden habe, steige ich über die Travertinen (kleine weisse Wasserbecken) zur antiken Ruinenstadt von Hieropolis. Die Aussicht über das Tal und die schneebedeckten Berge ist sensationnell und so bleibe ich bis zum Sonnenuntergang und geniesse die Ruhe nachdem die meisten Touristenbusse wieder abgereist sind.

Unterwegs nach Pamukkale/TR

 

Mein Hotel in Pamukkale/TR

Amphitheater von Hieropolis/TR

 

In den Travertinen von Pamukkale/TR

Aussicht auf Pamukkale/TR

6. Tag: Pamukkale/TR – Beysehir/TR

Nach den 33 Grad von gestern Nachmittag ist es heute bedeutend weniger heiss. Es weht ein kühler Wind und die zentralanatolische Hochebene steigt langsam auf ca. 1000 m/M an. Die Landschaft ist immer noch sehr grün, aber die Ortschaften werden seltener. Auch der Verkehr ist nur noch sehr schwach, ab und zu kreuze ich ein Auto oder einen Lastwagen. Die heutige Etappe endet in Beysehir, am gleichnamigen See. Mein Hotel, das Ali Bebir, ist sehr zentral gelegen und nach einer kurzen Ruhepause besichtige ich die Stadt und spaziere am Seeufer. Die einzigen Touristen die ich sehe sind türkische Schulklassen, es scheint ein beliebtes Ausflugsziel für Schulreisen zu sein.

Unterwegs in Anatolien

Strasse mit Storchennest in Anatolien

Unterwegs am See

Fussgänger auf der Strasse

Mein Hotel in Beysehir/TR

Ausflugschiff in Beysehir/TR

Imbissverkäufer in Beysehir/TR

7. Tag: Beysehir/TR – Göreme/TR

Am Vormittag ist das Wetter nochmals kühler, das Thermometer klettert kaum über 18 Grad. Der heutige Tag bringt mich zum östlichsten Punkt dieser Reise, nach Kappadokien. Die Region ist bekannt für seine Tuffsteinformationen. Aber zuerst stehen noch ein paar Stunden Fahrt an. Es geht auf gut ausgebauten Strassen über Konya und Aksaray immer in Richtung Osten. Gegen drei Uhr treffe ich in Göreme ein. Die Auswahl an Hotels und Pensionen ist riesig. Ich entscheide mich für das Stone House Cave Hotel, eine gute Wahl. Am Abend steige ich auf den Hügel über der Stadt um zu fotografieren. Ein schöner Sonnenuntergang belohnt mich nach einem kurzen Regenschauer, dem einzigen auf dieser Reise.

Landschaft in Kappadokien

Sonnenuntergang über Göreme/TR

Höhlenwohnungen in Göreme

 

8. Tag: Göreme und Umgebung/TR

Heute ist Ausruhen angesagt. Ich fahre nur ein paar Kilometer um Göreme und besichtige Avenos, Ürgüp und das Freilichtmuseum von Göreme. Die Region ist sehr touristisch, unzähliche Gruppen von Asiaten knipsnen wie wild in der Gegend herum, und ich mache es ihnen gleich.

In der Nähe von Göreme/TR

 

Alte Karawanserei bei Avanos/TR

Einsame Landstrasse in Kappadokien

9. Tag: Göreme/TR – Eskisehir/TR

Heute steht wieder eine längere Tagesetappe auf dem Programm. Nach dem Frühstück fahre ich zuerst auf der Hauptstrasse in Richtung Konya, dann weiter auf kleineren und kleinsten Nebenstrassen über Eskil, Cihambeyli, Yunak und durch unzählige kleine anatolische Dörfer bis zum heutigen Tagesziel, Eskisehir. War die Fahrt durch die anatolische Steppe und die kleinen Dörfer ein fahrerischer Leckerbissen, ist der Verkehr bei der Suche nach einem Hotel in der überfüllten Grossstadt kein Vergnügen mehr. Ich finde ein Zimmer im Hotel Namli und geniesse zu Fuss noch die Einkaufsstrassen in der näheren Umgebung.

Schneebedeckte Berge in Zentralanatolien

Anatolisches Dorf

Endlose Strassen durch die anatolische Steppe

Auch hier hat die Solarzeit Einzug gehalten

10. Tag: Eskisehir/TR – Gelibolu/TR

Zum Glück ist die Stadt noch verschlafen als ich abfahre, so komme ich zügig heraus und fahre teils auf guten Fernstrassen, teils auf drittklassigen Nebenstrecken weiter in Richtung Westen. Die ganze Gegend ist sehr grün und nur wenig bevölkert. Über die Städte Kütahya, Tavsanli, Balikesir und Gönen komme ich am Nachmittag an der Küste des Marmarameeres an. Hier schliesst sich der Kreis meiner Türkeirundreise und in Lepeski nehme ich wieder die gleiche Fähre wie eine Woche zuvor und steige in Gelibolu im Butik Hotel, gleich am Hafen, ab.

Ein paar Angaben zum Motorradfahren in der Türkei:

  • Strassen: im allgemeinen gut, sehr viele Baustellen; was nervt ist der teilweise flüssige und sehr glitschige Asphalt, auch auf Hauptstrassen !
  • Fahrweise der Türken: viel besser als befürchtet, in den Städten ein bisschen chaotisch, auf den Landstrassen sehr wenig Verkehr. Ich habe mehrere Geschwindigkeitskontrollen gesehen, bin aber selber nie angehalten worden.
  • Tankstellen: auf den Hauptstrecken sehr zahlreiche und moderne Tankstellen. Leider ist der Spritpreis mit über 2 Euro/L sehr hoch.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Türkei mit dem Motorrad problemlos zu bereisen ist (auf jeden Fall die Gebiete in denen ich war). Man darf aber die Distanzen nicht unterschätzen, auf kleineren Nebenstrassen bedeuten 400 km schnell einmal 7 Stunden Fahrzeit. Da die Sehenswürdigkeiten recht weit auseinander liegen, muss genügend Zeit einberechnet werden. Ausser einem Tag in Kappadokien bin ich ca. 8 – 10 Stunden pro Tag gefahren. Es war aber nie speziell anstrengend, und die Fahrt durch die wenig bevölkerte anatolische Hochebene war sehr interessant. Die Türken sind im Allgemeinen sehr nett und hilfsbereit, die Sprachbarriere ist aber ausserhalb der Touristengebiete recht hoch.

Dorfstrasse in Anatolien

Altes anatolisches Haus

Fähre zurück nach Europa

 

Im Fischerhafen von Gelibolu

Mein Hotel in Gelibolu

11. Tag: Gelibolu/TR – Porto Koufo/GR

Bis zur griechischen Grenze ist es nicht mehr weit. An einer der letzten türkischen Tankstellen lasse ich noch das Motorrad vom Staub der vielen Baustellen waschen, und wie schon bei der Einreise erfolgt der Grenzübergang wieder problemlos. Verkehr ist kaum vorhanden und nach wenigen Minuten bin ich wieder in Griechenland. In Alexandroupoli tanke ich wieder günstigeres Benzin und fahre auf die Autobahn bis kurz vor Rentina. Anschliessend geht es in Richtung Süden auf die Halbinsel Sithonia (Chalkidiki), wo ich in Porto Koufo ein ruhiges Hotel direkt am Strand finde.

Bucht von Kalamitsi

 

12. Tag: Porto Koufo/GR

Heute ist den ganzen Tag Baden und Faulenzen angesagt. Es ist noch Vorsaison und die Strände sind fast leer. Das Wasser ist aber bereits angenehm warm und ich geniesse die griechische Sonne. Die meisten Gäste im Hotel sind Familien mit kleinen Kindern aus Bulgarien, Rumänien und Moldawien. Sogar ein paar Autos mit ukrainischen und russischen Nummernschildern sind vor dem Hotel parkiert. Porto Koufo ist ein sehr ruhiges Dorf, Bars oder Discos hat es keine, dafür ein paar gute Tavernen mit griechischen Spezialitäten.

Strand in Kalamitsi

Besucher am Strand

Klares Wasser

13. Tag: Porto Koufo/GR – Ioannina/GR (mit Abstecher nach Albanien)

Auf der kurvenreichen Küstenstrasse fahre ich am Vormittag in Richtung Thessaloniki und dann auf der Autobahn weiter nach Westen. Da ich noch ein paar Tage Zeit habe beschliesse ich, nach Albanien zu fahren. Bei Krystallopigi geht es über die Grenze. Sind die Strassen am Anfang noch sehr gut, wird es aber bald ziemlich abenteuerlich. Über die Berge bei Ersekë und Leskovik sind es teils ungeteerte Wege und ich komme nur noch sehr langsam vorwärts. Die Landschaften sind aber grandios und es ist praktisch kein Verkehr vorhanden. Mein Ziel war es eigentlich, bis Vlorë zu fahren und dort ein Hotel für die Nacht zu finden. Bald muss ich aber einsehen, dass dies vor dem Eindunkeln nicht möglich sein wird. Da sich gleich in der Nähe ein Grenzübergand nach Griechenland befindet, fahre ich dorthin und komme noch knapp vor der Schliessung des Grenzpostens hinüber und fahre auf der gut ausgebauten Strasse ins ca. 60 km entfernte Iaonnina, wo ich wie bereits letztes Jahr im zentral gelegenen Hotel Olympic übernachte.

Man ist nicht allein auf der Strasse

Autobahnmautstelle in Nordgriechenland

Holprige Brücke in Nordgriechenland

Bunker in Albanien

Noch ist die Strasse sehr gut…

Einsame Strasse in Südalbanien

Hügellandschaft in Südalbanien

14. Tag: Ioannina/GR – Sarandë/AL

Am Morgen fahre ich zu einem nahe gelegenen Grenzübergang und bin nach wenigen Minuten wieder in Albanien zurück. Die Strassen sind dieses Mal leicht besser und so komme ich über Gjirokastër, Tepelenë, Fier und Vlorë relativ gut vorwärts. Für die ca. 400 km benötige ich aber trotzdem fast den ganzen Tag. Gegen 19 Uhr bin ich in Sarandë, einer grösseren Küstenstadt, und finde eine schöne Pension. Die Leute sind sehr nett und ich erfahre in Gesprächen einiges über das Land und die diversen Missstände mit der schwachen und korrupten Regierung. Die Auswirkungen dieser Korruption sind auch sehr direkt sichtbar. Es wird wie wild gebaut, Hotelburgen werden mit Abständen von wenigen Metern einfach in die Landschaft gepflanzt. Die Bausünden sind offensichtlich und die wunderschöne Küste wird in der Nähe der Städte zubetonniert. Wenige Leute sind auf mehr oder weniger dubiose Weise zu sehr viel Geld gekommen. Entsprechend sind auch viele schnelle Luxusautos zu sehen, deren Fahrer sich ohne Konsequenzen um alle Verkehrsregeln foutieren. Albanien hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Wunderschöne Landschaften, sehr nette Menschen, für uns sehr günstige Preise, aber auch katastrophale Strassen (nicht überall), gefährliche Raser und der Küste entlang viele chaotische Überbauungen. Für mich bleibt es aber ein faszinierendes Land, sehr wahrscheinlich eines der ursprünglichsten in Europa. Nachdem ich letztes Jahr den Norden des Landes besucht hatte, muss ich sagen dass mir der Süden landschaftlich besser gefällt.

Welcome to Albania

Brücke in Albanien

Küste südlich von Vlorë

Albanische Dörfer

Es wird gebaut was das Zeug hält…

… oder manchmal nicht hält

15. Tag: Sarandë/AL – Igoumenitsa/GR – Ancona/IT

Auf dem Weg zur griechischen Grenze besichtige ich die römischen Ruinen im Butrint National Park. Dann geht es mit einer kleinen Fähre über einen Meeresarm und auf einer sehr schmalen aber asphaltierten Strasse bis zur Grenze, ca. 30 km von Igoumenitsa. Ich verbringe noch ein paar Stunden am Strand, bevor ich zum Nachtessen nach Igoumenitsa fahre und um Mitternacht nach Ancona einschiffe. Es sind wieder sehr zahlreiche Lastwagen da, und bis alle an Bord sind dauert es eine gute Weile. Mit ca. einer Stunde Verspätung fährt die Cruise Europa aus dem Hafen. Es sind noch andere Motorradfahrer an Bord. Ich komme mit italienischen und spanischen Bikern ins Gespräch die auch in der Türkei waren.

Unterwegs in Südalbanien

Kleine Fähre in Butrint/AL

Amphitheater von Butrint

Hat es Platz für Alle ?

Kiosk am Strassenrand

Konispol, letztes albanisches Dorf vor der Grenze

Mein „Privatstrand“ bei Igoumenitsa

Küste bei Igoumenitsa

Wieder auf der Fähre

16. Tag: Ancona/IT – Piacenza/IT

Nach einer ruhigen Überfahrt mit viel Schlaf treffe ich gegen 18 Uhr in Ancona ein. Ich fahre noch ca. 3 Stunden und übernachte wieder im gleichen Hotel wie bei der Anreise in Piacenza.

17. Tag. Piacenza/IT – Freiburg/CH

Heute erwache ich erst um halb zehn Uhr und fahre anschliessend gemütlich in Richtung Schweiz. Es ist Sonntag und der Verkehr ist mässig, am frühen Nachmittag bin ich nach ca. 6700 km wieder zu Hause.